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Ohne Heft und Buch - Die Projekttage am Scholl-Gymnasium haben Vieles zu bieten

„Verflixt, schon wieder angebrannt!“, flucht Emily Zhong aus der 8a und rennt zum Waschbecken, um die sich schwarz verfärbende Gummimasse schnellstmöglich aus dem Topf zu kratzen. Leckere Gummibärchen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen herzustellen ist doch nicht ganz so einfach: stattdessen riecht es jetzt nur unangenehm. Neuer Versuch…

Zum Schuljahresende dürfen sich die über 800 Schülerinnen und Schüler am Hans und Sophie Scholl-Gymnasium über besondere Schultage freuen: für den 23. bis 25. Juli organisierten sie zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern insgesamt 42 Projekte. Ob kreativ, sportlich oder kulinarisch, eine Riesenauswahl unterschiedlichster Themen bietet wirklich für jeden etwas: dabei werden nicht nur die Klassenräume des Schulgebäudes genutzt, sondern ganz Ulm und Umgebung dient als Schauplatz vieler Aktivitäten.

 

Bei 32°C schwitzen die Schülerinnen und Schüler im Projekt „Hip-Hop“, einer Kooperation mit der Tanzschule TenDance. Auch im Projekt „Dance“ wird zu Musik getanzt, aufgrund der großen Teilnehmerzahl in der unterirdischen und damit angenehm kühlen Scholl-Halle. Ähnlich anstrengend ist es für die Sportler im Projekt „Skateboardern“. Sie flitzen auf ihren vier Rollen in der ehemaligen Reithalle neben dem ROXY über die asphaltierten Bahnen. Eine Gruppe Biker sind in und um Blaustein im Gelände unterwegs – schattige Routen werden bevorzugt. Das Projekt „Ausdauertraining“, das zwei Lehrerinnen anbieten, wählt die Donau als Übungsort: um fit in die Ferien zu starten, beginnt man schon sehr früh an diesen Tagen mit dem Workout, um der Hitze am Mittag zu entgehen. In einem der umfunktionierten  Klassenzimmer stellen erfahrene Kampfsportler Übungen vor, welche von den Schülern im Projekt „Selbstverteidigung“ einstudiert werden: mit einem Partner, der wechselnd die Rolle eines Angreifers oder des Verteidigers übernimmt, lernen die jungen Akteure, sich in einem Ernstfall zu wehren. Einen Schritt weiter geht das Projekt „Krav Maga“, einer Kampfkunst, die dem israelischen Militär entstammt, über die Bühne. Zwei ausgebildete Lehrerinnen unterrichten hier Selbstverteidigungsgriffe, zum Beispiel wie man sich aus einem Würgegriff befreit oder sich mit Hilfe von Alltagsgegenständen verteidigt.

Weniger sportlich, dafür wesentlich kreativer geht es im Projekt „Malen mit Acrylfarben“ zu: Hier dürfen die Schülerinnen und Schüler ihren künstlerischen Neigungen nachgehen und auf Papier, Schuhen und anderen Kleidungsstücken malen. Ob Schattenbilder, Portraits, Worte oder Sätze, die Teilnehmer im Projekt „Kreatives Schreiben“ lassen ihren Gedanken freien Lauf: sie verfassen Gedichte, Geschichten und Skripte für Spielszenen. Inspirieren lassen sie sich dabei unter anderem aus dem Schulalltag, dem Stadtleben und der Natur: „Da kommen schon irre Dinge raus“, lacht Lisa aus der 10a, „vor allem, wenn man völlig frei im Inhalt der Geschichte ist.“ Die besten Werke werden im großen Kreis ausgewählt und am Schulfest, das die Projekttage krönend beschließt, in einer Autorenlesung präsentiert. Mit etwas Fantasie kann Papier auch anders verarbeitet werden: zigmal gefaltet ergeben sich beim Origami aus einem herkömmlichen Blatt Figuren und Gegenstände, sogar eine komplette Katze in Lebensgröße ist dabei. Ähnlich einfallsreich sind die Schüler im Projekt „Schollspiele“: Klassische Familienspiele bekommen hier eine neue Überarbeitung. So wird aus einem vermeintlich einfachen Memory ein großer Spaß mit Gesichtern der Lehrer des Scholl-Gymnasiums. Die machen mit und schneiden lustige Grimassen für die jungen Fotografen.

Weg von Stift, Papier und Schere: Mit Faden, Wolle und Stricknadeln bewaffnet machen sich die Teilnehmer im Projekt „Rock'n Woll“ daran, Loop-Schals und Pullis zu kreieren. „Der nächste Winter kommt bestimmt“, meint Lehrerin Jutta Allert scherzend, „obwohl man sich das bei über 30 Grad im Inneren des Schulgebäudes nicht vorstellen kann.“ Nachdem die Grundtechniken wie das Erstellen einer rechten und linken Masche erlernt wurde, geht es mit großen Zielen der Wolle an den Kragen. Da beim Stricken die Hände beansprucht werden, der Mund jedoch frei bleibt, können in den drei Tagen nicht nur Kleidungsstücke für den Winter angefertigt, sondern auch viele Gespräche über Klimawandel, Lehrer und die Ferienpläne geführt werden.

Ganz klassisch geht es das Projekt Schafkopf an. Die Regeln des bayrischen Kartenspiels machen den Schülern anfangs noch Probleme, doch bereits am zweiten Tag werden erste Strategien erkennbar. Ein kleines Turnier am dritten Projekttag kürt dann einen würdigen echten baden-württembergischen Bayer. „Pferd auf C4 und Bauer auf D6“ - hört man diese Worte, denkt man nicht an einen Bauernhof, sondern natürlich an ein Schachspiel: und so sind derartige Wortgefüge, welche die Schüler im Projekt „Schach für Anfänger“ über ihre Lippen bringen, die wichtigsten Sätze in dieser Gruppe. Denn das Spiel mit dem Ziel den gegnerischen König Schachmatt zu setzen, ist reine Konzentrationssache - und da bleibt für das Mundwerk nicht viel Zeit übrig: „Ich denke gerade nach“, murmelt Felix aus der 7d, mehr bringt der konzentrierte Junge gerade nicht über die Lippen.

Wer sich als kleinen Hobbykoch sieht, der findet sich im Projekt „Backen einer Torte“ wieder. Ursprünglich als Skizze auf Papier entworfen, präsentieren die Teilnehmer ihre fertigen Kuchen beim Schulfest, der natürlich schnell verputzt ist. Bei „Mac`n Cheese und Corn Dogs“ wird gekocht: die englische Küche kontert in diesem Projekt die herzhafte Küche aus Amerika. Die kulinarische Auswahl ist groß, die Teilnehmeranzahl entsprechend.

Hör mal, wer da im Schulgebäude hämmert: um gegen das Insektensterben aktiv zu werden, wird fleißig an Insektenhotels gewerkelt. Diese sollen alsbald hinter der Schule, wo jetzt noch die Straßenbahn-Baustelle mit ihrem Grau das Grün überdeckt, zum Einsatz kommen. Ein neues Zuhause bekommen auch die Fledermäuse. Das gleichnamige Projekt informiert nicht nur über die einzigartigen Tiere, sondern es werden auch Nistkästen für die Flattermänner gebaut.

Es sind die kleinen Dinge, die die Welt schöner machen: ein Memoboard wird im gleichnamigen Projekt gebastelt. Mit Magnetfarbe, Magneten und Kronkorken machen sich die Schülerinnen und Schüler ans Werk. Die Korken werden angemalt und verziert und zu Buttons für die Magnetboards umfunktioniert: mit der Zeit entstehen kleine Schmuckstücke, die mit den aufgeklebten Perlen und Steinchen schon Kunstwerken gleichen. Im Raum nebenan wird aus Pfui viel Hui gemacht: Upcycling nenn sich das. Aus alten Gegenständen, die auf den ersten Blick nutzlos erscheinen, zaubern Schüler neue Kissenbezüge, Taschen und vieles mehr. „Auch wenn nicht alles verwertet werden kann“, ist Lehrerin Madlen Schleifer überzeugt, „ein Beitrag zur Nachhaltigkeit ist das allemal.“ Eine Etage tiefer werden große LKW-Reifen und Holzlatten verschraubt. Mit diesem Vehikel soll später die Donau von der Illerbrücke in Wiblingen bis zur Konrad Adenauer-Brücke befahren werden. Sicherheit bei diesem Floßbauprojekt geht vor, deshalb muss jeder Handgriff sitzen. In Neu-Ulm wird derweil ein ganzes Auto demontiert: ein alter Polo wird in seine Einzelteile zerlegt, nicht ohne dabei auch auf die Funktion und das Zusammenspiel der Bauteile einzugehen.

Musikalisch geht es im Untergeschoss zu: Cajons werden zusammengeleimt und angemalt. Wenn die Rhythmusinstrumente erst einmal getrocknet sind, sind sie bereit für den lautstarken Einsatz.

Goethes Faust muss nicht immer eine Plage sein. So können aus demselben Werk drei verschiedene Filme entstehen. Diese vergleichen Kursstufenschüler im Projekt „Literatur und Film“ – da bleibt viel Raum für Interpretationen. Die Kleinen hingegen machen ihre Show selbst: Zwei englische Sketche werden intensiv für das Schulfest geprobt. „Sketche sind kurze und lustige Szenen. Besonders wichtig dabei ist, dass man die Ironie dahinter erkennt“, beschreibt Saskia aus der 5a die Motivation für ihre Teilnahme an diesem Projekt.

Harry Potter-Fans bauen ein paar Türen weiter bekannte Gegenstände aus den Filmen ihres Idols nach: ob Dracheneier oder Zauberstäbe, den Schülerinnen und Schülern sind keine Grenzen gesetzt. Magisch geht es weiter: eine Zaubershow für das Schulfest ist fast fertig und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des gleichnamigen Projekts sind bereit ihr Publikum mit allerlei Tricks zu verblüffen. Auch Zitronensaft und Spülmittel wirken nicht mystisch, doch mit deren Hilfe lassen sich im Projekt „Geheime Botschaften“ Texte unsichtbar machen. Nur wer den Kniff kennt, macht den Sätze wieder sichtbar oder entschlüsselt den Buchstabensalat.

Genug an der Schule gewerkelt. Jetzt wird die Stadt Ulm unter die Lupe genommen: in Kleingruppen werden Straßen zum Beispiel auf Fahrradfreundlichkeit und Begrünung untersucht. Dabei kommt heraus, dass beispielsweise in der Illerstraße zu wenig Fahrradständer aufgestellt sind. Die Ergebnisse der Erkundung werden auf dem Instagramm-Account „gummibaumprojekt“ präsentiert. Weitere Verbesserungsvorschläge kommen aus dem Projekt „Kinderfreundliches Ulm“: nach einer ausführlichen Begutachtung von einigen guten, aber auch anderen, nicht besonders kindgerechten Spielplätzen, baut die Gruppe ihren „Traumspielplatz“ im Modell selbst. Last but not least: ein Highlight, dass es auch dieses Mal in die Projekttage geschafft hat: der „Dominoday“. Nach tagelanger Arbeit, bei der Holzklötzchen gesagt, geschliffen und angemalt werden, wird am Ende ein einziges Holzklötzchen angeschuckt und große Motive werden durch das Umfallen der Steine auf beeindruckende Weise sichtbar. „So ist jeder Stein ein Teil des Ganzen“, erklärt Jasina Sulejmani aus der 10a stolz.

Dann ist da noch eine weitere, für die meisten Schüler nahezu unsichtbare Gruppe. Deren Teilnehmer tauchen meistens nur kurz bei den anderen Projekten auf, stellen ein paar Fragen und machen Fotos. Die „Dokumentation der Projekttage“ erfordert viel Planung und Logistik, um nahezu alle Projekte aufzugreifen, sowie anschließend das feine Gespür dafür, die Inhalte interessant für den Leser in einem Artikel zusammenzufassen. Einige von den Schülerinnen und Schülern sind dieses Schreiben schon von der wöchentlichen Arbeit an der Schülerzeitung gewohnt, doch manche können auch neue Erfahrungen als Redakteure machen.

 

Emily aus der 8a hat es übrigens inzwischen geschafft: Gummibärchen in drei Geschmacksrichtungen hat sie selbst hergestellt. „Sehr, sehr lecker“, meint sie lachend, drückt sich eines der Bärchen in den Mund und freut sich bereits auf die nächsten Projekttage am Scholl-Gymnasium, an denen die Hefte und Bücher natürlich wieder zu Hause bleiben dürfen.

 

Text: Presse-AG mit Paul Eberhardt (10d), Tobias Frey (8a)

Fotos. Foto-AG mit Michael Salàt (8a) und Laura Krauss (9a)

 

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