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Die Zukunft im Auge - Am Scholl-Gymnasium fand wieder ein UNESCO-Projekttag statt

Als UNESCO-Projektschule nimmt das Hans und Sophie Scholl-Gymnasium seit 2008 an der Ausrichtung des Internationalen Projekttags der UNESCO-Projektschulen teil, der 1996 im Gedenken an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ins Leben gerufen wurde. Am 6. Februar beschäftigte sich die Schulgemeinschaft einen ganzen Tag mit dem diesjährigen Thema „Brennpunkt Zukunft - AGENDA 2030“. Auf 17 Ziele haben sich die Vereinten Nationen für diese Agenda verständigt, welche die Politik auf nationaler als auch auf internationaler Ebene prägen sollen.

Der Projekttag beginnt für die meisten Schülerinnen und Schüler wie jeder andere Schultag zur ersten Unterrichtsstunde, für manche ein paar Minuten später: jede Klasse hat ihr eigenes Programm für diesen Tag, das jeweils aus einer Auftakt- und einer Abschlussveranstaltung besteht. Dazwischen unterrichten die älteren die jüngeren: bei „Schüler unterrichten Schüler“ können die Vortragenden ihren Beitrag zum Projekttag als GFS sogar benoten lassen.

Viele Fünftklässler erarbeiten sich in ihrer Auftaktveranstaltung mit Hilfe von Kärtchen, die jeweils das Schicksal eines Kindes beschreiben, die Kinderrechte, einem zentralen Thema der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, kurz der UNESCO. Andere beschäftigen sich in einer Gruppenarbeit mit dem Thema der Einwohner- und Einkommensverteilung: hierzu sitzen die Schüler in einen Halbkreis und sprechen über das Leben eines Kindes, das in einem Entwicklungsland lebt. Die Sechstklässler machen einen „Fußabdruck-Test“: Sie überprüfen dabei, ob sie durch ihr Handeln die Welt verbessern, oder aber zu viele Ressourcen verbrauchen und ein zu exzessives Konsumverhalten zeigen. Hierzu müssen Fragen beantwortet werden, die zum Beispiel die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel thematisieren: „Wie viele Kilometer legst du in der Woche mit dem Bus zurück?“ Im Anschluss an den Test werden die Antworten ausgewertet: lebst du nachhaltig oder gäbe es da vielleicht noch etwas zu verbessern? Jeder hinterlässt auf jeden Fall seine Fußabdrücke, gleich wo und durch welches Verhalten.

Die Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 7 bis 12 starten mit einem Film der Vereinten Nationen über die Agenda 2030 in ihren Projekttag. Anschließend sollen sie unter anderem abschätzen, wie viel Wasser zur Herstellung eines Burgers benötigt wird: die Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden sie in den Fluren der Schule, wo Plakate zu den im Film angesprochenen Themen hängen.

Vielfältig sind die Beiträge zu „Schüler unterrichten Schüler“, lässt doch das Thema des Projekttags einen großen Spielraum für deren Auswahl. Jana Krieger (KS1) gibt ihren jüngeren Mitschülern aus der fünften Jahrgangsstufe einen filmischen Input über die Hungersnöte in vielen Ländern der Erde. Anschließend sollen Fragen zum Film beantwortet und mit dem gewonnenen Wissen Plakate gestaltet werden. Elias Kormann, der sein Abitur bereits im vergangenen Schuljahr am Scholl-Gymnasium gemacht hat, informiert über die Madaraka primaray school, der Partner-Schule des Gymnasiums in Tansania: drei Monate hat er dort Biologie und Englisch unterrichtet. Viele Bilder hat er im Gepäck, die seinen Bericht anschaulich werden lassen. Und so lassen sich der Ablauf eines normalen Schultags, die Regeln und disziplinarischen Maßnahmen sowie die Unterschiede in den Schulsystemen sehr gut nachvollziehen.

Über das „Menschenbild im Wandel der Zeit“ berichten Pia Krausse und Victoria Kaufmann (beide KS2). Neben der Antwort auf die Frage, was einen Menschen zu eben diesem mache, gelingt beiden ein Streifzug durch die Epochen der Menschheitsgeschichte, den sie unter anderem mit den Themen „Was sind die Unterschiede zwischen Mann und Frau?“ oder „Was war die Rolle des Menschen in dieser Epoche?“ füllen. Robert Kahry und Louis Tosch (beide KS2) stellen das fünfte Ziel der AGENDA 2030, die Gleichstellung der Geschlechter vor. Vom Mittelalter über die Industrialisierung bis in die heutige Zeit berichten die beiden: Frauen bekamen zwar immer mehr Rechte, aber leider sind sie auch heute noch den Männern nicht gleichgestellt.

Dass bei der Herstellung von Handys viele Arbeiter benachteiligt werden und die Umwelt belastet wird, kann Herr Chamani deutlich machen. Um dies verstehen zu können, ist es zunächst wichtig den Zusammenhang zwischen der Bezahlung für Arbeit und dem Arbeitsplatz auf den unterschiedlichen Kontinenten der Erde zu kennen: Nicht überall bekommt man für gleiche Arbeit gleiches Geld. Und dies wissen die Hersteller äußerst gewinnbringend und meist gewissenlos auszunutzen. Zudem wird bei der Herstellung der Handys sehr viel Trinkwasser verbraucht und es entstehen viele giftige Abfallstoffe. Vielleicht wäre es dann doch besser sein Handy länger als zwei Jahre zu nutzen?

Nikolas Fruh und Fabio Zeroni (beide KS1) informieren über die Entwicklung der Fortbewegungsmittel im Laufe der Zeit und sparen dabei mögliche Zukunftsvisionen nicht aus. Den „Elektromotor, eine zukunftssichere Alternative zum Verbrennungsmotor“, stellen Jakob Kast und Lukas Braig (beide KS1) vor. Die Vor- und Nachteile beider Antriebstechniken werden erarbeitet und einander gegenübergestellt. Dass gerade der schadstoffarme Elektroantrieb neben dem Prinzip des Carsharings für Städte wohl die einzige Alternative sein wird, weiß auch Leo Fisch (KS2). Sein Thema sind nachhaltige Städte und Gemeinden: bei der Städteplanung kann das Prinzip der Nachhaltigkeit ebenfalls angewendet werden, wenn zum Beispiel Grünflächen auf Dächern und an Fassaden eingebaut werden. Lebhaft wird über die Visionen und deren Machbarkeit diskutiert. Noch wichtiger ist die Frage: „Was kann ich tun?“ Tina Vierkötter, die von ihrer Arbeit im SOS-Kinderdorf, über Kindesmissbrauch und Kinderarmut in Deutschland berichtet, freut sich, dass die Nachfragen zu ihrem Vortrag sehr lebhaft sind und in die Tiefe gehen. Auch die Aufgabe des Jugendamts wird thematisiert und wann dieses in eine Familienstruktur eingreifen kann und muss. „Familien im Wandel“ ist das Thema von Anna Fuhlrott aus der KS2. Sie vergleicht die Familien der DDR und der BRD und spannt ihren Bogen in die Jetztzeit, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer.

Lena Wittlinger (KS1) präsentiert ihrem Publikum Wasserflaschen mit unterschiedlich verschmutztem Wasser darin: „So sieht Trinkwasser in Afrika, so in Indonesien aus!“ – anschaulicher geht es nicht. Viele der Mitschüler würden sich mit den angebotenen Wasserproben nicht einmal die Füße waschen wollen. Dass die Verschmutzung von Wasser zu einem globalen Problem geworden ist, zeigen auch Isabel Lichtenberg und Hannah Berger (beide KS1). Diese hat nicht nur eine direkte Auswirkung auf den Menschen, wenn das Trinkwasser betroffen ist: auch über Umwege schlägt die Natur zurück. Insekten, Amphibien, Fische, Reptilien und Säugetiere sind in ihrem jeweiligen Lebensraum von der Verschmutzung betroffen und werden dadurch existentiell bedroht. Vor allem die enormen Müllberge aus Plasik und Kunststoff, die auf vielfältige Weise den Weg in die Meere finden, regt die Schülerinnen und Schüler zu einer Diskussion an: Welche Lösungsmöglichkeiten können wir in unserem Alltag zu finden?

Genauso vielfältig wie die von den Schülerinnen und Schülern selbst ausgewählten Themen sind die Abschlussveranstaltungen: Die Schülerinnen und Schüler aus der Kursstufe besuchen einem Vortrag des UN-Jugenddelegierten für nachhaltige Entwicklung: Johannes Wagner berichtet über seine Aufgaben als Delegierter, die sich um die Schwerpunkte der UN, Biosphere, Society und Economy, drehen. Nur mit diesen Komponenten sei eine nachhaltige Entwicklung möglich. Er wird auch nicht müde zu betonen, dass die Meinung der jungen Generation in diesen Fragen mehr als nur wichtig sei und fordert alle auf sich damit auseinander zu setzen. Die Gärtnerin Anja Banzhaf referiert über ein existenzielles Thema: unser Saatgut. Die ehemalige Schülerin des Scholl- Gymnasiums studierte nach ihrem Abitur Geografie und veröffentlichte im Februar 2016 das Buch „Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen.“ In ihren Vortrag geht es um die Vormachtstellung der Saatgutkonzerne, welche inzwischen die gesamte Nahrungsmittelkette kontrollieren. „Es gibt aber auch Wege, um die Sortenvielfalt zu erhalten,“ weiß die Aktivistin.

Bei einer Podiumsdiskussion im Roxy stellten sich die fünf Diskussionsteilnehmer Georg Philipp Siebenlist, Martin Staud, Felix Piontek, Florian Drollinger und Nico Mäder den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Gemeinsam diskutierte man, moderiert von Louisa Brög (KS2) und Johannes Heger, wie sich die Interessen der Wirtschaft und eine im Hinblick auf die Zukunft des Menschen erforderliche Nachhaltigkeit unter einen Hut bringen lassen. Zum Schluss gab es von den Experten Tipps, um den eigenen Alltag und den persönlichen Konsum nachhaltiger zu gestalten.

Die Schülerinnen und Schüler aus der Mittelstufe sehen sich den bewegenden Film „Reise zu OMA SIKOTA“ an: Joyce Sikota aus Sambia hat bis auf Tochter Annie ihre Kinder durch die Krankheit AIDS verloren. Traumatisiert zurückgelassen sorgt sie für die sieben verwaisten Enkelkinder. Dank Annie und dem deutschen Schwiegersohn Michael findet sie Trost und Zuversicht in einem visionären Projekt: Gemeinsam verwandeln sie Oma Sikotas Grundstück in ein Zuhause für Waisenmädchen und Seniorinnen. Sie nennen es Liyoyelo – Ort der Hoffnung.

Während die Fünftklässler Plakate zum Projekttag mit den Themen „Wo sehe ich Probleme? Was kann ich tun? Wie stelle ich mir eine ideale Welt vor?“ gestalten, spielen die Sechst- und Siebtklässler zum Abschluss ein Spiel, das die Überfischung der Weltmeere thematisiert: mehrere Teams notieren auf ein kleines Stück Papier, das in einem Papierschiff steckt, eine Zahl: so viele Fische sollen aus dem Meer, das zwischen 25 und 50 Fische enthält, herausgefischt werden. Die Fischerteams kommen anschließend in zufälliger Reihenfolge zum Zug. Möchte ein Team mehr Fische, als im Meer zurückgeblieben sind, so ist das Spiel verloren. Rücksicht und Weitblick sind auch hier gefragter denn je.

Text (Zusammenstellung): Laura-Marie Selig, 9f PAG

Bilder (Zusammenstellung): Paul Eberhardt, 9e FAG

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